Challenge „RoboNerdKit“

Was kommt wohl dabei raus, wenn sich vier Menschen aus Vertrieb, Personal- und Organisationsentwicklung sowie Marketing zusammensetzen und einen „Roboter“ bauen?

Das Team

Erst Infos gab es am 12. November 2016, quasi der Geburtstag vom Team „Jinn Tronic“; so haben Svenja, Steffi, Thomas und ich das Team nämlich spontan getauft. Natürlich hätte ich mit jedem aus der Klasse gerne zusammengearbeitet, aber hier fühle ich mich von Anfang an ganz besonders wohl. Juhu, Glück gehabt.

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Zunächst wirkten alle ein bisschen überfordert, aber frohen Mutes. Für mich war es  beruhigend zu wissen, dass die CLASS ONE die Roboter-Challenge bereits erfolgreich gemeistert hatte. Immerhin hat man quasi im Nebenzimmer einen Haufen Experten, die man um ihre Hilfe bitten oder mit denen man sich mal austauschen kann.

Die Idee

Um den gemeinsamen Start auch gemütlich zu gestalten, habe ich die Gruppe zu mir eingeladen und neben Essen und Getränken auch für reichlich Workshop-Material gesorgt. Für die Ideenfindung war das Spiel „Stadt, Land, Roboter“ (eine Eigenkreation auf Basis des Klassikers „Stadt, Land, Fluss“) auf jeden Fall hilfreich und hat gleichzeitig einen überraschend hohen Unterhaltungswert geboten.


Am Schluss wurde es eine recht knappe Entscheidung zwischen zwei Vorschlägen, in die auch die Meinungen von Familienmitgliedern, Freunden und Kollegen einbezogen wurden. Nach deutlichen Worten meiner Schwester Kerstin war für mich persönlich dann aber auch der letzte Zweifel beseitigt:)

Wir entscheiden uns also für JINN TRONIC: ein nach unserem Team benanntes Gerät, welches dafür sorgen soll, dass gemeinschaftlich genutztes Material auch rechtzeitig wieder wie von Zauberhand aufgefüllt wird – also zum Beispiel Milch in der Büroküche oder Moderationskarten im Besprechungszimmer. Wichtig ist uns, dass es sich flexibel in bestehende Regale etc. integrieren lässt, also ohne großen Aufwand für die unterschiedlichsten Produkte verwendet werden kann – Internet of Things für Alle(s)!

Das Modell

Im nächsten Schritt treffen wir uns, um die Idee zu konkretisieren und um herauszufinden, ob wir das überhaupt realisieren können. Die Zeit ist natürlich knapp und in der Gruppe selbst schätzen wir unsere technischen und handwerklichen Fähigkeiten insgesamt als eher gering ein. Von Programmierkenntnissen ganz zu schweigen, noch hat nicht mal jeder seinen JavaScript-Kurs abgeschlossen.


Mit unserem Modell sind wir schon ganz zufrieden. Es hilft uns unter anderem sehr dabei, die mögliche Konstruktion zu verstehen, dafür haben wir es im Maßstab 1:1 gebaut. Außerdem lässt sich damit die eigentliche Funktion und Interaktion mit dem Nutzer nochmal besser durchdenken. Unsere Idee sollte sich über eine Wiegezelle realisieren lassen. In unserer Vorstellung soll das Gerät außerdem mit einer App kommunizieren, aber mal abgesehen davon, dass die keiner in der kurzen Zeit erstellen könnte, kann man über das vorgegebene Sparkfun-Board auch keinen Sender verwenden. Darum wollen wir, dass je nach Füllstand des Geräts auch eine entsprechende Nachricht auf dem Display sowie ein optisches Signal über das RGB-LED ausgegeben wird. So sieht man sofort, dass wie Wiegezelle arbeitet und der Code funktioniert. Mit dem Modell haben wir also auch ein gemeinsames Ziel, nämlich einen funktionierenden Prototypen – das wird später noch sehr hilfreich und motivierend sein.


Weil wir hinsichtlich Realisierbarkeit aber noch Fragen haben und auch befürchten, dass wir uns von der Welle der Begeisterung für unsere eigene Idee haben mitreißen lassen, holen wir uns Feedback vom Chef-Nerd Tim und CTO Tobi. Dafür erstellen wir extra ein kurzes Video:


Nachdem zudem die Facebook-Abstimmung ein wesentlicher Bestandteil der ganzen Challenge ist, machen wir uns bei diesem Termin auch darüber schon Gedanken und halten alle Überlegungen auf einem Flipchart fest. Es entsteht ein erster grober Plan, den wir dann später immer weiter verfeinern.

Ich denke, dass uns das sehr geholfen hat, tolle Ideen nicht zu verlieren und bei dem komplexen Konstrukt nicht den Überblick zu verlieren. Außerdem konnten wir uns damit gut aufteilen, weil wir den roten Faden im Blick behalten haben. Sollte ja alles Hand und Fuß haben:)

Der Prototyp

Nachdem unser Plan auch Tim und Tobi überzeugt hat, bestellen wir das von Tim empfohlene Material (eine Wiegezelle für max 10kg und einen Verstärker, damit später die Messwerte der Zelle verarbeitet werden können) und ich beginne mit der Konstruktion.

Die Konstruktion

Dazu habe ich vorher gemeinsame Mittagessen mit Kevin, einem Kollegen aus dem Sondermaschinenbau genutzt, um mir seinen Rat und Vorschläge für eine (für mich realisierbare) Lösung abzuholen. Außerdem helfen mir Markus und Reiner aus der Lehrwerkstatt und lassen mich (natürlich unter Aufsicht) dort arbeiten.  Allerdings geht das nur an einem Nachmittag, denn die Weihnachtsferien stehen bevor. Verwenden darf ich Abfallstücke, was das Gruppenbudget freut und die Umwelt schont.


Mit dem Kalender in der Hand wird mir schnell klar, dass ich mir eine andere Lösung suchen muss, um weiter zu arbeiten. Erst nach den Ferien wieder loszulegen, würde viel zu knapp werden, nach einem Nachmittag habe ich erschreckend wenig in der Hand. Allerdings verfügt in meinem Bekanntenkreis niemand über die bislang eingeplante Maschine zum Vernieten der Laschen mit dem Rahmen.

Jochen hat dann angeboten, das Material zu schweißen, was allerdings ziemlich schief läuft, denn das Material ist dafür zu dünn. Das Ergebnis ist Schrott, (fast) alles auf Anfang.
Glücklicherweise bekomme ich über Michi schnell und sehr günstig Ersatzmaterial für den Rahmen, die Platten kann ich immer noch verwenden. Mir etwas Neues überlegen zu müssen, bietet mir gleichzeitig die Möglichkeit für eine Lösung, die ich auch am Küchentisch bearbeiten kann. Also nur mit Akku-Schrauber, Laubsäge und Feile.


Auch dabei bekomme ich reichlich Hilfe von Michi, der gefühlte 100 Mal an einem Tag für mich zum Baumarkt düst, Schrauben und Federn besorgt und mir seinen Akku-Schrauber tagelang leiht, obwohl er selbst gerade mitten im Umzug steckt.

Mittlerweile sind die bestellte Wiegezelle sowie das von Tim empfohlene Zusatzmaterial bei Thomas angekommen und auch die Arbeiten an der Waage gehen gut voran. Zum Glück, denn solange die Konstruktion nicht steht, lässt sich auch die Wiegezelle nicht testen.

Erste Code – Versuche

Die Zeit, in der ich nicht an der Waage arbeiten konnte, habe ich genutzt, um schon mal den Code für das Display und das RGB-LED zu schreiben und beides auszuprobieren. Was sich hier so einfach anhört, hat mich reichlich Nerven gekostet – und Tim auch. Der muss bei mir nämlich gaaaanz von vorne unten anfangen, weil ich so gar keine Ahnung habe. Aber als ich es dann raus habe, läuft es ganz gut und macht irgendwann sogar richtig Spaß.

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Wenn JINN TRONIC aufgefüllt werden muss – mein erstes Stück Code für LCE und LED

Für Wiegezelle habe ich bislang aber auch kein vergleichbares Projekt gefunden und dementsprechend keinen Code, an dem ich mich orientieren kann. Hinter diese Thema steht also noch ein fettes Fragezeichen. Beim Recherchieren / Tappen im Dunkeln haben Svenja und ich allerdings die lustigsten Projekte im Internet gefunden – unser Highlight bleibt die Bienenstockwaage.


Immerhin sind wir aber an dem Punkt, an dem wir das Ganze präsentationsreif haben, wenn auch nur im Fake-Modus. Der reicht uns aber nicht. Zeit, den Sensor einzubauen und zum Laufen zu bringen!

Der Sensor

Als die Wiegezelle dann allerdings endlich ihren Weg von Erlangen nach GoHo gefunden hat und vor mir liegt, sehe ich, dass die nicht mit Steckverbindungen  ausgestattet ist – irgendwer wird die also an irgendwas anlöten müssen. Bevor hier etwas total schief geht, schicke ich meinen Plan mit der Bitte um Prüfung an Tim. Dank Clemens, der mir trotz allen Wettbewerbs auf Steffis Geburtstagsfeier mit Bleistift und Notizblock erklärt, wie ich das Board optimal ausnutzen kann und mir auch Hilfe beim Löten anbietet, fühle ich mich allerdings ziemlich sicher und auf alles vorbereitet. Wir liegen super in der Zeit und alles läuft nach Plan.

Aber: zu früh gefreut, denn von Tim kommen ganz schlechte Neuigkeiten. Der von ihm empfohlene Verstärker für die Wiegezelle wird nicht mit dem Sparkfun-Board arbeiten, also muss ich noch etwas anderes bestellen. Außerdem brauch ich ein zusätzliches Steckbord und mehr Steckverbindungen. 3-5 Tage Lieferzeit!!! Oh nein!!! Tim schickt dann auch noch einen angepassten Plan und ein Stück Code, mit dem dann alles funktionieren soll.

Das Warten auf den Ersatz-Verstärker und das zusätzliche Material bedeutet eine ungeplante Auszeit, die unseren ganzen Zeitplan gefährdet. Immerhin wollen wir den JINN TRONIC fertig im Video zeigen. Zur Sicherheit überlegen wir uns einen Plan B. Svenja beruhigt mit ihrer unendlichen Geduld und findet die perfekten Lösungen. Außerdem hält sie weiterhin die Teammotivation hoch und organsiert schon mal unsere JINN TRONIC -Abschlussfeier;)

Herzblut und Lötzinn

Immerhin bleibt es bei der angegeben Lieferzeit und noch haben wir / Plan A eine Chance.  Trotz Tims Plan und Code klappt das nicht und Tim weiß auch keinen Rat. Als ich schon aufgeben will, aktiviert Steffi Superkräfte in Form von Tristan, der sich mit Messgeräten bewaffnet der Sache annimmt. Tristan findet nicht nur das Problem, sondern auch noch ein Lösung: auf unserem Sensor war gar kein Strom. Konnte also nicht klappen. Mit den von ihm neu platzierten Steckverbindungen allerdings geht’s. Löten darf ich auch probieren, klappt zur Überraschung aller auf Anhieb. Als das erste Mal korrekte Messwerte auf dem Display erscheinen, freuen wir uns gemeinsam, als hätten wir gerade etwas gewonnen. Ein wirklich schöner Moment.

Tristans Lösungsweg halte ich gleich in einem Plan fest, das würde ich nämlich im Leben nicht reproduzieren können und die Steckverbindungen sind so fest nicht… Meine schlimmste Vorstellung ist, dass sich ein Kabel löst und alles kaputt ist. LCD und RGB-LED sind nach den Plänen im Handbuch eingebaut, das kann man jederzeit dort nachsehen, weshalb ich die weggelassen habe. Weniger ist mehr und so.


Aber: alles hält, auch dank dem mittlerweile eingesetzten Isolierband, mit dem ich alles fixiere, was mir zu locker scheint. Also alles, was nicht festgeschraubt ist. Damit haben wir unser Ziel fast erreicht: Unser JINN TRONIC könnte tatsächlich funktionieren!!!

Noch mehr Code

Noch allerdings fehlt das letzte Stückchen Code. Und das schreibe ich tatsächlich beim Warten auf die anderen in den Design Offices kurz vor unserem Video-Dreh.

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Die Ausgangsbasis für den Code gab von Tim.

In diesen Code füge ich die bestehenden Code-Teile hinein. JINN TRONIC kennt folgende Zustände und reagiert entsprechend:

  1. Einschalten / Begrüßung
  2. Sofortiges Nachfüllen erforderlich
  3. Nachfüllen erforderlich
  4. Aufgefüllt / Voll
  5. Überladen / kein weiteres Gewicht auflegen

Das geht erstaunlich einfach, findet auch Svenja. Wer den im Detail nochmal nachlesen will, der darf sich gerne melden. Und damit ist es geschafft, JINN TRONIC läuft! Damit beeindrucken wir dann später bei unserer Präsentation, soviel sei schon mal verraten.

Das Video

Wie vielleicht mittlerweile bekannt ist, hat unser Video einen Film im Film. Diesen Teil hat Thomas vorab vorbereitet:


Das Video haben wir dann auf Basis von Steffis Drehbuch an einem Abend gedreht und hatten dabei viel Spaß. Richtig viel Arbeit hatte Thomas dann danach mit dem Schneiden.  Die allerdings hat sich gelohnt – vielleicht das beste Video, dass ich je gesehen habe:) Wobei unsere 10min Outtakes auch extrem sehenswert sind, aber das würde hier zu weit führen.

Der Rest ist Geschichte. Ein bisschen was habe ich hier schon darüber erzählt, damals waren wir gerade sehr mit Facebook beschäftigt. Natürlich freuen wir uns weiterhin über jedes „Gefällt mir“  – auch wenn die Abstimmung schon am 04.02.2017 um 8:00 vorbei war. Und natürlich über Feedback zur Idee.

Beim Videodreh ist leider das RGB-LED kaputt gegangen, weshalb das es bei grün flackert. Wie ein RGB-LED überhaupt funktioniert, kann man hier sehr schön sehen. Weil also offensichtlich unsere grüne Kathode defekt ist, lassen sich nun nur noch Farben einstellen, die ohne grün auskommen. Pink zum Beispiel. Es gibt Schlimmeres.

Bei der Live-Demo merkt das keiner. Zum Glück haben wir genug Zeit für Applaus eingeplant und am Abend vorher schon gefeiert. Ich bin zu müde, um traurig darüber zu sein, dass es jetzt erst mal vorbei ist. Oder nicht? Müssen wir etwas weiter daran arbeiten? Für die nächste Challenge…. und ein neues Projekt? Mal sehen:)

Ausblick

Wenn ich mir unseren JINN TRONIC und das Video heute anschaue, kann ich es kaum glauben, dass wir das zusammen geschafft haben. Ich bin sehr stolz, dass der Prototyp wirklich funktioniert und finde es schade, dass wir ihn bald wieder zerlegen müssen. Sollte er je in Serie gehen, dann vielleicht so:

Überblick Jinn
So könnte das aussehen, wenn es mal fertig ist.

Lessons Learned

Hier meine Lessons Learned in der Zusammenfassung:
# Erfolgreiche Vorgänger machen Mut – und laden dazu ein, sie zu übertreffen:)
# Gute Stimmung im Team ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor
# Ohne Fleiß kein Preis – wir haben uns durch unseren Ehrgeiz am Schluss alle nochmal motiviert und damit ordentlich gepunktet
# Ein gemeinsames Bild vom Ziel hilft enorm und fokussiert das Team
# Man kann viel mehr, als man denkt!
# Bei aller Konkurrenz: Nach der Challenge sind wir wieder ein gesamtes Team. Nicht vergessen:)
# Ein Küchentisch kann eine prima Werkbank sein – Improvisation ist alles
# Vertrauen schafft Freiraum und Entlastung
# Auch ein Experte macht mal Fehler – beruhigend
# Echte Freunde sind Gold wert
# Man muss solange fragen, bis man es checkt. Sorry, Tim:)
# Eine erfolgreich gemeisterte Herausforderung ist die beste Belohnung

Nochmal ein großes Danke an alle, die hier erwähnt wurden oder ungenannte Helfer sind, und sich trotzdem angesprochen fühlen!