Berlin, Berlin…

…wir waren in Berlin! Natürlich nicht einfach nur zum Spaß, sondern quasi um eine kleine Feldstudie durchzuführen. Forschungsobjekt: das Berliner Startup Ecosystem. Was wir da so erlebt und welche Erkenntnisse wir gewonnen haben, habe ich hier zusammengefasst.

Bidunowa?

Weil sich die 16 CLASS TWO-Mitglieder auf 6 Städte verteilen, haben wir uns gegen eine gemeinsame Anreise entschieden und uns statt dessen direkt in Berlin getroffen. Das hat auch ganz wunderbar geklappt und nach nur fünf läppischen Stunden im Bummelzug sitzen wir also irgendwann gemütlich in Berlin-Mitte und essen köstliches Schnitzel. Die entspannte Fröhlichkeit torpedieren dann aber Arbeitsaufträge, die gegen 22:00 nach und nach eintrudeln. CLASS ONE hatte uns auf Erlebnisse dieser Art schon vorbereitet und darum nehmen wir es mit Gelassenheit. Cheers!

 

Tag 1

Der Tag beginnt mit einem Breakfast-Talk mit Franziska Anders von i-potentials. Das ist vor allem für uns „HR-Muttis“ interessant. Genau wie Franziska finden wir, dass Recruiting eine strategische Aufgabe ist, die maßgeblich zum Erfolg eines Unternehmens beiträgt. Allerdings reicht es mittlerweile nicht aus, passende Kandidaten zu finden. Oft muss man die auch noch überzeugen, den Arbeitgeber überhaupt als solchen in Betracht zu ziehen. „Recruiting ist heute Sales und Marketing.“ sagt Franziska darum. Aus ihrer Arbeit, die sie in ganz unterschiedliche Unternehmen führt, berichtet sie auch noch, dass es eigentlich immer an den gleichen Stellen hakt:

  • fehlende Transparenz
  • zu wenig Vertrauen
  • mangelhafte Kommunikation

Ganz normal allerdings in Veränderungsprozessen und wir alle befinden uns gerade in einem gigantischen. Aus Fehlern lernen gehört da dazu. (Vielleicht sollte zu diesem Thema mal jemand ein Festival machen? Ach, da gibt es ja das F***-Festival.…). Auch Angst und gelegentliche Verwirrung kommen schon mal vor. Franziska lädt uns zu zu einem kleinen Gedankenspiel ein: „Was wäre, wenn in Deutschland morgen Linksverkehr wäre….?“

 

OLLI, ein selbstfahrender Minibus, müsste dann eben umprogrammiert werden. Bei innoZ findet sich sicher auch dafür ein schlauer Kopf.

„Während andere noch über autonomes Fahren reden, probieren wir es aus. Das autonome Fahren ist ein Schwerpunktthema des InnoZ. Eines der ersten selbstfahrenden Fahrzeuge ist in Form eines Minibusses des amerikanischen Start-Ups Local Motors bei uns im Einsatz.“

https://www.innoz.de/de/pilot-euref-campus-autonomer-kleinbus-shuttle

Hier ein paar Impressionen aus Berlin-Schöneberg:

 

Wir haben das auch gleich mal ausprobiert. Tobi hat den wilden Ritt im Bewegtbild eingefangen:

 

Kurz danach öffnete dann der Himmel seine Schleusen, die dann auch nahezu drei Tage ununterbrochen offen waren. Wir haben darum unser „Buzzword-Bingo“ drinnen bei innoZ und nicht wie geplant auf einer Wiese im Sonnenschein gespielt. Zu gewinnen gab das Abendessen an Tag 2. War lecker;)

 

Weiter ging es dann zu Holtzbrinck Ventures, wo uns Nawid Ali-Abbassi einen Einblick in die Welt von Venture Capital  gibt.

„Venture-Capital stellt keinen Kredit dar, sondern ist eher als eine Form der Entwicklungshilfe für eine Unternehmensidee zu sehen. Ein sogenannter Venture-Capitalist finanziert ein junges Unternehmen in dem Wissen, dass das Unternehmen scheitern kann und er sein investiertes Geld verliert. Daher wählen Venture-Capitalists ihre Investments entsprechend bedacht aus.“

https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/venture-capital-vc

Für die bedachte Auswahl gibt es eine Art Kriterienkatalog, nach dem man die Idee bewertet. Die drei Kernpunkte, aus denen sich diese Kriterien ableiten sind:

  • opportunity – Wie gut ist die Gelegenheit? Was macht der Wettbewerb? Wie sieht der Markt aus? Passt der Zeitpunkt?
  • right to win- Gibt es ein passendes Team? Haben die Gründer genug Erfahrung? Passen die Vermögenswerte?
  • structure – Wer sind Co-Investoren? Stimmen die Vertragsbedingungen?

Natürlich ist das alles ein bisschen komplexer und man braucht ein hohes Maß an analytischem und visionärem Denken, wenn man Nawids Job machen will. Außerdem geht es auch hier mal wieder um das berühmte Netzwerk, denn aus dem kommen die Ideen und Kontakte.

Auch Thermondo ist Holtzbrinck wohl bekannt… Da sind wir nach dem Besuch bei Nawid eingeladen und Kristofer Fichtner erzählt uns erst mal etwas über die Vision von Thermondo und das Handwerk der Zukunft.

„Effizienz in deutschen Häusern ist unser Anliegen. Wir sehen uns in der Verantwortung, die Energiewende aktiv mit sinnvollen und für den Kunden einfachen Lösungen voranzutreiben.“

https://www.thermondo.de/unternehmen/ueber-uns/

Gestartet mit der Idee, eine Plattform zu sein, auf der Angebot und Nachfrage rund um das Thema Heizungsmodernisierung zusammengeführt werden, ist Thermondo mittlerweile ein ordentlicher Handwerksbetrieb, der sich damit auch ganz neuen Herausforderungen stellen muss. Eine ist der sehr politische Markt, der sich unter anderem durch einen geringen Innovationsdruck auszeichnet. Eine andere ist der berühmte Fachkräftemangel. Thermondo ist außerdem stark gewachsen und hat dabei erkannt, wie wichtig die interne Kommunikation ist. Insbesondere eine Klarheit über Ziele und die erwarteten Ergebnisse, die von den Mitarbeitern nicht nur verstanden, sondern zum Teil auch selbst erarbeitet wurden, sorgen dafür, dass jeder seinen Beitrag leisten kann.

Digitale
Zu Gast bei Thermondo.

 

Außerdem nimmt man sich auch regelmäßig Zeit für gemeinsame verbindene Aktionen.

Bis zum Abendessen mit den anderen war nach dem Besuch bei Thermondo noch ein bisschen Zeit, die Steffi und ich für eine gemeinsame verbindene Aktion genutzt haben: wir haben Lipgloss im essence maker shop gemacht. Den Weg durch das Unwetter war es uns wert – für Kosmetik tun wir alles:)

 

Tag 2

Heute besuchen wir Mirko Dragowski, der Geschäftsführer im Bundesverband Deutsche Startups e.V. und damit die „Stimme der Startups in Deutschland“ ist. Er beschäftigt sich mit seinen Kollegen (die nach und nach eintrudeln) u.a. damit, die Vernetzung von Gründern, Investoren und Talenten zu fördern. Außerdem unterstützt der Verein gemeinsame Projekte zwischen etablierten Unternehmen und Startups.

Mirko erklärt uns auch, warum Berlin den idealen Nährboden für Gründer bietet:

  1. Berlin ist multi-kulti, diversity ist hier schon Fakt.
  2. Berlin hat ein gutes Image.
  3. Berlin hat keine Sperrstunden.
  4. Berlin hat wenig Wirtschaft und damit diktieren keine großen Unternehmen Bedingungen vor.
  5. Berlin hat viele Talente.
  6. Berlin ist kreativ.

 

Aber auch die kreativsten Gründer müssen sich mit Buchhaltung beschäftigen und ganz besonders schlaue haben sich dazu etwas Pfiffiges ausgedacht: Candis

Christopher Hacker erklärt uns nicht nur, wie die Software zur vorbereitenden Buchhaltung funktioniert, sondern auch wie der Weg bislang war.

 

Candis zeigt sehr schön, wie eine Lösung für eine bislang stumpfe und unbefriedigende Arbeit aussehen kann. Statt Zeit mit vorbereitender Buchhaltung zu verbringen, kann sich also ein Unternehmer wieder auf Wesentliches konzentrieren. Perfekt! Dabei finde ich nicht nur die Lösung gut (die Candis auf ihrer Homepage – siehe weiterführende Links – selbst am besten erklärt), mich beeindruckt auch, wie frisch Christopher darüber erzählt.

Ähnlich sympathisch ist der Vortrag von Max Meran von Opinary.

Opinary ermöglicht es Usern, sich blitzschnell in Debatten zu orientieren und sich selbst zu positionieren. Das ermöglicht Redaktionen, User-Engagement in Rekordhöhe zu schaffen und Unternehmen wertvolle Interaktion mit Zielgruppen.“

http://opinary.com/about/

Wir probieren das gleich mal mit der – an diesem Tag noch offenen Frage – nach der Ehe für alle aus:

 

Wichtig ist dabei, dass nur journalistische Fragen gestellt werden – es gibt also nur faktische Auswahlmöglichkeiten. In Zeiten, in denen zu viele Zombies ohne Meinung herumlaufen und Filterblasen uns in unserer Meinung noch bestärken, statt uns offen  für andere Ansichten zu machen, ist das ein ganz besonders wertvolles Instrument.

Den Nachmittag verbringen wir dann in mindspace, dass so etwas ähnlich macht wie die Design Offices – nämlich Raum für Co-Working anbieten. Da arbeiten wir in Gruppen an einem Pitch, der unsere Lösung für eine Verbesserung von Einkaufserlebnissen verkaufen soll. Die Lösung müssen wir uns übrigens auch erst noch ausdenken.

Stress pur. Wenig Licht, wenig Sauerstoff. Ich vermisse Nürnberg und unser Klassenzimmer bei DO.

 

Mir persönlich fällt das Denken und Pitchen an dem Tag schwer und für mich ist das eine der härtesten Aufgaben bislang gewesen. Um so mehr freue ich mich über das damit verdiente Badge:

Bildschirmfoto 2017-07-05 um 22.59.01
Hart erarbeitet.

 

Tag 3

Über diesen schönen Tag berichten in Kürze Kerstin und Clemens auf dem SHIFTSCHOOL-Blog und ich kürze an der Stelle angesichts des epischen Berichts ab. Ist überhaupt noch jemand da? Gut so, den hier gibt’s jetzt noch die Lessons Learned und die weiterführenden Links. Und ein fettes Danke:

Danke an alle, die sich Zeit für uns genommen haben!
Danke an das ganze SHIFTSCHOOL-Team,
für die tollen Organisation und die vielen Mühen bei der Vorbereitung!
Danke an die CLASS TWO, mit der Geburtstag im verregneten Berlin perfekt wird!

 

Lessons Learned

Hier meine Lessons Learned in der Zusammenfassung:
# Wer sich verständigen will, muss die wichtigsten Vokabeln parat haben. Wie sinnvoll das Buzzword-Bingo war, haben wir in den nächsten Tagen mehrfach gemerkt. Ohne diese Vorbereitung hätten wir oft nur Bahnhof verstanden.
# Pausen sind wichtig. Man kann auch Zeit in der U-Bahn für eine kleine Rast nutzen, aber dann sollte man Proviant haben. Also: Wasser, Müsliriegel und Obst einpacken, wenn es mal wieder nach Berlin auf Safari geht.
# Dauerregen macht alle mürbe. Wir haben uns trotzdem gut verstanden und ich finde, dass zeigt, wie gut wir als Gruppe schon zusammengefunden haben. Das darf man auch mal feiern.
# Respekt ist grundsätzlich wichtig und auch die Basis für ein gutes Netzwerk.
# Wie erfolgreich eine Idee wirklich war, sieht man erst nach 5-7 Jahren. Man braucht also auch Geduld.
# Eine gute Idee ist ein guter Start. Eine gute Unternehmenskultur ist dann wichtig für den langfristigen Erfolg, denn nur so ist man ein attraktiver Arbeitgeber.
# Klarheit über Ziele und Ergebnisse steigert den Erfolg.
# Vertrauen in die Fähigkeiten der anderen entspannt – Team Jinn Tronic wusste das schon;)
# Bei Homeoffice hört das Vertrauen dann aber auf – zumindest bei einigen. Der extrem unterschiedliche Umgang mit dem Thema Arbeitszeit hat uns sehr verwundert.
# Wissen teilen steigert den Erfolg aller. Selbst den Anfang machen = fair enough.
# Lass immer den Reiseblogger oder jemanden, der sich vor Ort auskennt, Abendessen organisieren.
# „Keine Batzen bilden!“ Wenn 18 Personen (in öffentlichen Verkehrsmitteln) unterwegs sind, dann braucht es machmal deutliche Ansagen.

Und hier gibt es noch mehr Infos:

  • Extrem lecker und bester Service – Lebensmittel in Mitte hat uns am ersten Abend perfekt verwöhnt. Danke an Stephan für den tollen Tipp!
  • Auf der Suche nach neuen Kollegen? i-potentials hilft sicher gerne!
  • Wer auch aus fremden Fehlern lernen will, der sei auch hier nochmal herzlich zu unserem F***-Festival eingeladen. Tickets gibts immer noch hier.
  • Olli wird da leider nicht den Shuttleservie übernehmen, ausprobieren kann man ihn hier.
  • Wer eine verdammt gute Idee hat, der kann mal bei Holtzbrinck nach Unterstützung fragen.
  • Und wer mit seinem Haus auch einen Beitrag für <2° leisten will, der kann sich bei Thermondo beraten lassen.
  • Lipgloss bei Essence kann man noch bis zum 15.07.2017 machen – also auf nach Berlin!
  • Die „Stimme der Startups in Deutschland“ kann man live hören, Kontakt gibt es hier.
  • Vorbereitende Buchhaltung in schlau von Candis gibt es hier.
  • Wer auch mal die Meinung gesagt bekommen will, kann sich bei Opinary Hilfe holen.
  • Abendessen an Tag zwei gab es von Pixelschmitt organisiert im Transit.

 

Für uns gab es als Belohnung dann noch ein Badge (ein Seepferdchen für jeden, der ohne Schwimmflügelchen durch Berlin gekommen ist, wäre auch passend gewesen):

Bildschirmfoto 2017-07-05 um 22.59.34

 

Und insbesondere für smu, das erste Geburtstagskind, das Lied zur Safari:

 

Das Titelbild hab ich übrigens hier gefunden: https://pixabay.com/de/alexanderplatz-fernsehturm-regen-1222651/

 

2 Kommentare zu „Berlin, Berlin…

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