#nueww – eine Rückschau

Die Nuernberg Web Week 2017 liegt schon ein paar Tage zurück, Zeit wird’s für eine Rückschau. Was ich da so erlebt und gelernt habe und warum ich jetzt schon weiß, dass ich nächstes Jahr auch wieder dabei sein will, erzähle ich hier.

15.05. Opening Night

Die Opening Night fand im DATEV IT-Campus 111 statt. Praktisch für mich, denn da kann ich zu Fuß gemütlich hin spazieren. Oder zwischendurch mal schnell nach Hause springen, wenn die High Heels drücken:) Vor der eigentlichen Eröffnung der nueww habe ich die Gelegenheit genutzt und mir den Vortrag von Markus Neubauer von Silbury angehört. Beim letzten Mal, als ich Markus gesehen habe, hat er uns etwas über Big Data erzählt. Diesmal ging es um deren neues Haus der Innovation in Fürth, das nicht nur neuer Arbeitsplatz für die Mitarbeiter werden soll. Es wird auch als Veranstaltungsstätte dienen und dazu beitragen, Vernetzung und Austausch zu fördern. Bei der Gestaltung der neuen Räume durften die Mitarbeiter unter Anleitung von Thor van Horn selbst Hand anlegen. Dabei entstanden inspirierende, spannende und bunte Werke – ein paar davon kann man z.B. auf der Facebook-Seite von Silbury sehen.

Im Anschluss daran habe ich an einer Führung durch den DATEV IT-Campus teilgenommen. Im Gegensatz zum neuen Silbury-Gebäude gibt es da wenig Farben, alles ist betongrau, weiß und ab und an blitzt etwas gelb auf.  Dennoch wirkt das nicht langweilig, sondern eigentlich ganz gemütlich. Jeder Mitarbeiter hat einen Platz, auch wenn viel von zu Hause gearbeitet wird. Wenn sich ein Team neu zusammensetzt, dann passiert das im wahrsten Sinne des Wortes und es wird ggf. an einen anderen Tisch umgezogen. Dass das innerhalb aller kürzester Zeit möglich ist, beweisen alle Mitarbeiter einmal im Jahr am „Jump-Day“ – alle wechseln innerhalb von einer Stunde den Platz. Früher hätte so eine Aktion Monate gekostet und wäre schon deswegen nur im Notfall in Frage gekommen. Heute sorgt sie für Bewegung, aber auch dafür, dass jeder mal an einen neuen Platz kommt und keiner das Gefühl haben muss, er wäre bei der Platzvergabe benachteiligt worden. Weiterhin hängen geblieben ist mir, dass es überall Teppich und lärmschluckende Decken gibt, um den Geräuschpegel erträglich zu halten. Jeder Schreibtisch hat eine eigene Lampe, die sich den Lichtverhältnissen draußen entsprechend reguliert und sich mittels Bewegungsmelder ein – bzw. ausschaltet. Das spart Energie, sorgt für gutes, gemütliches Licht und ist beim Umzug oder Umstellen der Möbel auch praktischer. Geraucht werden darf auf dem Dach, damit der Rauch nach oben wegzieht und nicht in ein offenes Fenster qualmt. Die Fenster kann man alle öffnen, obwohl es eine Klimaanlage gibt, damit man sich nicht eingesperrt fühlt.

Am interessantesten fand ich, dass unser „Guide“ von der DATEV mehrfach erwähnt hat, dass es natürlich auch seitens einiger Mitarbeiter vor dem Umzug in das neue Gebäude unterschiedliche Bedenken gab. Insgesamt war es aber Ziel, es für so viele wie möglich möglichst angenehm zu gestalten. Zukunftsorientiert und flexible Arbeitsweisen unterstützend sollten die neuen Bürowelten sein – die wenigen, die sich da nicht wiederfinden oder sogar dagegenstemmen, sind ganz bewusst nicht das Maß der Dinge. Wem es gar nicht passt, der muss sich überlegen, ob er sich verändern und evtl. sogar gehen möchte. Diese Konsequenz und klare Haltung hat mich sehr beeindruckt.

Im Anschluss an die Eröffnung gab es die Gelegenheit für Austausch mit altbekannten und neuen interessanten Menschen. Ich habe mich besonders darüber gefreut, dass das Team JINN TRONIC vollständig am Start war.

Endlich wieder vereint auf der Opening Night der #nueww

17.05. Konferenz: Arbeiten 4.0 – Alles bleibt anders

Die Veranstaltung von OpenBit versprach im Programm, „die Mitmachkonferenz für alle, die Arbeit gestalten wollen“ zu werden – und das war sie dann auch. Besonders im Kopf ist mir der interaktive Teil zum Thema „People Analytics“ geblieben. Dabei ging es um die Frage nach möglichen und vertretbaren Auswertungen von (Mitarbeiter-)Daten und Informationen für Personalabteilungen. Gearbeitet haben wir mit der Methode LEGO Serious Play und dem Ziel einen „Code of Conduct“ zu erstellen.

Ein Code of Conduct ist „eine Sammlung von Richtlinien und/oder Regelungen, welche sich Unternehmen im Rahmen einer freiwilligen Selbstbindung selbst auferlegen. Die formulierten Verhaltensanweisungen dienen als (grundlegende) Handlungsorientierung für Mitarbeiter, um erwünschtes Verhalten zu kanalisieren bzw. unerwünschte Handlungen zu vermeiden. Thematisch kann das Regelwerk sehr breit sein und von Korruption über den Umgang mit Kunden bis hin zu Arbeitszeitregelungen reichen; die Detaillierungstiefe kann dabei höchst unterschiedlich sein. Oftmals im Kontext von Corporate Social Responsibility zu finden.“

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/code-of-conduct.html

Wobei wir eher einen kleinen Beitrag zu etwas geleitet haben, das gerade in Arbeit ist und an dem schon viele kluge Köpfe mitbasteln. Eine Idee könnte sein, dass Firmen sich vielleicht irgendwann auf diesen Code of Conduct als Ergänzung zu den bestehenden Datenschutzgesetzen verpflichten – und sich damit von anderen abheben, die das nicht tun. So könnte man schon als Bewerber Klarheit gewinnen, wie der vielleicht neue Arbeitgeber mit Mitarbeiterdaten umgeht und auf dieser Basis entscheiden, ob man damit einverstanden ist oder eben nicht (und ob man da überhaupt arbeiten will).

Neben der Teilnahme dieser Jam-Session habe ich die Zeit natürlich auch wieder für Austausch genutzt – unter anderem bei der Bar-Camp-Session von Bayern Innovativ zum geplanten Umzug in an einen neuen Standort inclusive einer Reformation der Unternehmenskultur, die sich auch in neuen Büroformen niederschlagen wird. Also weg von Einzelbüros hin zu mehr Kooperation. Ein spannendes Gespräch, auf dessen Fortsetzung ich mich jetzt schon freue.

19.05. Digitale Transformation in HR & Fake News Night

Eigentlich hätte ich mir sogar noch eine Veranstaltung mehr ausgesucht und in den Kalender eingetragen, aber nach dem reichhaltigen Tag habe ich erst mal ein bisschen Zeit gebraucht, um das alles sacken zu lassen. Dafür war ich dann am Freitag gleich auf zwei Events hintereinander. Auch diesmal wieder in besonders charmanter und glücklicherweise regenfester Begleitung.

Bei der Veranstaltung von Arthur Soballa & Michael Plentinger kamen ganz unterschiedliche Stimmen darüber zu Wort, „was man potenziellen Mitarbeitern anbieten sollte, wie man an diese Mitarbeiter kommt und warum die digitale Transformation enorme Chancen für HR und das Personalwesen bietet“.

Sehr kurzweilig war der Vortrag von Dr. Roland Deinzer von der Bundesagentur für Arbeit. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass die BA selbst noch kein Konzept hat, um die Mitarbeiter, die im Zusammenhang mit Digitalisierung freie Kapazitäten gewinnen, sinnvoll unterzubringen. Wobei ich außerdem noch die Frage stelle, was mit der BA tatsächlich passieren würde, würde das derzeit viel diskutierte bedingungslose Grundeinkommen eingeführt werden. Aber das würde hier jetzt zu weit führen.

Von Alexander Felsenberg nehme ich mir mit, dass Digitalisierung nur abteilungsübergreifend funktioniert und Top Down initiiert werden muss. Außerdem habe ich diesem schönen Satz in meinem Notizbuch notiert:

„Mindset ändern geht nur langsam! Aber beschwert euch nicht: nur so kommt ihr mit.“

Michael Ulmer von Querfeld.Design hat danach über mögliche zukünftige Entwicklungen im Bereich New Work gesprochen, wobei sein Fokus auf flexiblen Bürokonzepten lag. Vielleicht sitzen wir in den DesignOffices also bald auf (natürlich extrem stylischen) Klappstühlen oder bauen uns vor dem Start in den Tag erst mal eine Jurte auf. Was sich hier vielleicht erst mal absurd liest, könnte dazu beitragen, dass wir nicht nur die Möglichkeit haben, flexibler zu werden, sondern auch unsere Veränderungsbereitschaft trainieren.

Was wohl dabei rauskommen würde, wenn PRECIRE meine Charakterzüge anhand von ca. 10- 15 min frei gesprochenen Textes analysieren würde? Das bleibt vorläufig noch ein Geheimnis. Wie die Sache aber funktioniert, hat uns Agostini Cisco ganz ausführlich erklärt. Wie neugierig, dominant oder kontaktfreudig die Software eine Person einschätzt, kann vielleicht in Zukunft eine Erkenntnis sein, die im Bereich Führungskräfteentwicklung genutzt wird – oder auch im Recruitung.

Auch bei Clemens Dittrich von truffls ging es um Recruiting, diesmal aber gezielt mit der Frage, wo man denn Talente überhaupt finden kann und wie man schnell mit ihnen in Kontakt kommt. Mich hat bei seinem Vortrag noch mehr begeistert, wie offen er über den bisherigen Verlauf von truffls berichtet hat. Statt einer geraden Linie steil nach oben gab es schon einige Höhen und Tiefen – und damit auch einige wertvolle Learnings.

Auf die Frage „Was willst Du werden, wenn Du groß bist“ hat Sham Jaff im Rahmen ihres Vortrages sehr charmant mit „I will find me!“ geantwortet. Entspannender Gedanke, den ich mit definitiv mitnehme und bei der ein oder anderen Gelegenheit – zum Beispiel nbei der Frage, was ich denn nach der SHIFTSCHOOL machen will –  ins Gedächtnis rufen werde.

Der letzte Speaker an diesem Tag war Karlheinz Pape, den ich schon auf anderen Veranstaltungen als sehr inspirierend erlebt habe. Im Moment ist er im Rahmen des Corporate Learning 2025 MOOCathon mit dem Thema “Learning & Development in the Digital Age“ engagiert. Jedem, den dieses Thema anspricht, sei die Teilnahme an der Veranstaltung ans Herz gelegt – ich mache da übrigens auch mit.

Zur nachfolgenden Fake News Night mussten wir dann erst mal die Location wechseln und durch den Regen rennen. Als Belohnung hatten wir dann einen Platz in der letzten Reihe, was der Stimmung aber keinen Abbruch getan hat. Die Veranstaltung insgesamt war ein Gewinn und endlich habe ich verstanden, wie Filterblasen genau entstehen.
Danach habe ich aber weniger darüber, sondern mehr über die Kinder aus dem Coder Dojo nachgedacht, die an dem Abend eine Website ins Netzt gestellt haben. Die Idee war zu zeigen, wie leicht es ist, Fake News in den Umlauf zu bringen. Ich allerdings hatte stellenweise den Eindruck, dass die Kinder sehr, sehr viel geübt hatten, um das an dem Abend auch wirklich fehlerfrei vorzutragen und auf mich hat das fast ein bisschen dressiert gewirkt. Ganz unabhängig davon bewundere ich den Mut der beiden, vor dieser Riesenmenge an Menschen aufzutreten. Und dass es ihnen Spaß macht und sie stolz auf das sind, was sie können, hat man auch gemerkt.

22.05. Pecha Kucha Night

Auch hier übrigens saß ich in der letzten Reihe, diesmal neben Thor, also auch wieder in allerbester Begleitung. Dafür mit etwas schlechter Sicht… Machte aber nix.

„Pecha Kucha (sprich: petscha-kutscha, jap. ペチャクチャ „wirres Geplauder, Stimmengewirr“) ist eine Vortragstechnik, bei der zu einem mündlichen Vortrag passende Bilder (Folien) an eine Wand projeziert werden. Die Anzahl der Bilder ist dabei mit 20 Stück ebenso vorgegeben wie die 20-sekündige Dauer der Projektionszeit je Bild. Die Gesamtdauer des Vortrags beträgt damit 6 Minuten 40 Sekunden. In Pecha Kucha Nights (PKN) folgen mehrere dieser Vorträge hintereinander. Die Themen liegen meist im Bereich Design, Kunst, Mode und Architektur.“

http://pecha-kucha-nuernberg.de

Highlight des Abends war für mich der Vortrag von Inci Ceylan zum Thema „Knapp daneben ist…“ der sich unter anderem mit Innovationen, kundenzentriertem Denken und Timing befasste. Unterhaltsam und informativ, die perfekte Mischung. #Hutab

Hier lohnt sich auch noch ein Blick:


Während ich diesen Beitrag schreibe, merke ich erst, wie voll diese Woche war und welche Schätze ich aus ihr nach Hause geschleppt habe. Und wie schön es war, dabei zu sein. Herzlichen Dank auch von mir an alle, die dazu beigetragen haben, dass diese Veranstaltung überhaupt statt findet und so ein Erfolg war. Insbesondere an Ingo Di Bella, der hier nochmal sein persönliches Fazit zieht. #ichfreumichauf2018

2 Kommentare zu „#nueww – eine Rückschau

  1. Hej,
    Danke auf diesem Weg an interessanten Neuigkeiten und Details teilzuhaben.
    Z.B. das Silbury bei mir in der Umgebung (Fürth-Südstadt) ist und die gute Erläuterung zu CSR – wenn es denn bei uns auch ‚mal ins SSC-Haus diffundieren würde.
    Schallschluckende Decken und Böden – sehr gerne und sofort – hier (FM….) sitzen die richtigen Leute.
    Danke nochmal – ist wirklich gut !

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