Design oder Nichtdesign? 

Das ist hier die Frage. Wir alle gestalten jeden Tag mehr oder weniger bewusst unsere Welt,  beispielsweise in dem wir Prozesse festlegen oder Formulare entwickeln. Damit beeinflussen wir immer auch die Erfahrung, die jemand machen wird.
Von Designern, also routinierten Gestaltern, können wir dafür einiges lernen.

An manche Dinge muss man nur denken und schon hat man schlechte Laune. Oder ist zumindest ein bisschen genervt. Die Steuererklärung zum Beispiel ist so eine Sache für mich. Kann das nicht einfacher gehen?

Könnte es vermutlich, aber höchstwahrscheinlich soll das genau so sein. Zumindest komme ich nach einem Tag mit Johannes Meyer zu dem Schluss.

Nach Johannes ist Design erst mal alles, was nicht die Natur erschaffen hat, demnach ist also alles immer gestaltet. Das geschieht aber nicht immer bewusst und ist nicht immer nur positiv. Oder vielleicht sogar absichtlich schrecklich.

Wenn ich also einen Prozess definiere, dann beeinflusse ich damit, welche Erfahrung jemand machen wird – zum Beispiel als Bewerber im Vorstellungsgespräch.
Erlebnisse wie dieses sind mittlerweile ganz einfach vergleichbar und damit der steigt der Druck, sie mit entsprechender Sorgfalt zu gestalten. Und von wem könnte man das besser lernen, als von Menschen, die viel Routine im Gestalten haben: Designern.

Einer von ihnen, Dieter Rams, hat 1995 „10 Regeln für gutes Design“ verfasst, die kann man hier nachlesen. In diesem Sinne machen wir uns in vier Schritten auf zu Design:

  • Empathie
  • Interpretation
  • Inspiration
  • Iteration

Empathie

An Beispielen für „Thoughtless Acts“ üben wir uns im Dreisatz „Beobachten, deuten, ableiten“. Ein „Thoughtless Act“  ist eine mehr oder weniger unbedachte Handlung, oft eine Notlösung oder ein Provisorium. Einige schöne Beispiele dafür findet man hier. Die Bilder lassen einen zunächst schmunzeln – bis man sich selber dabei ertappt, wie man mit einem Stift einen Schalter so festklemmt, dass man ihn nicht gedrückt halten muss, bis das Rollo ganz herunter gefahren ist.

Die große Herausforderung besteht darin, nicht vorschnell zu interpretieren.  Weitere Übungsfelder für Empathie sind übrigens:

  • viele Fehler, die Menschen bei der Anwendung von etwas machen
  • viele Beschwerden, die Menschen im Zusammenhang mit etwas äußern oder
  • viel Nachbesserungsbedarf

Neben Beobachten kann man auch einfach Fragen. Vermeiden sollte man dabei die Frage „Warum“.
Warum? Weil das beim dritten Mal für den Befragten vielleicht merkwürdig wirkt. Vielleicht auch, weil es nicht besonders elegant ist. Statt dessen kann man zum Beispiel folgende Sätze sagen:

  • Kannst du mir das nochmal Schritt für Schritt erklären?
  • Was denkst Du dabei?
  • Was brachte Dich zu dieser Entscheidung?

Das üben wir auch gleich und ich weiß jetzt endlich, warum der liebe Stephan überhaupt an der SHIFTSCHOOL ist:)

Eine weitere Möglichkeit, in fremde Welten einzutauchen ist das Erstellen einer Persona.

Interpretation

Auf Basis der Erkenntnisse, die man durch emphatische Auseinandersetzung mit seinen Mitmenschen gewonnen hat, definiert man nun Design Prinzipien. Das kann man für Raume, Programme, Prozesse, etc.
Überlegen sollte man sich dabei auch, wie es sich auswirkt, wenn man sie radikal verfolgt. Also zum Beispiel „maximal bürokratisch“, um mal wieder auf das Thema Steuererklärung zurück zu kommen.

Zu dem Thema habe ich mir einen schönen Satz von Hannes gemerkt: „Trivialität erkennt man, wenn man den Umkehrschluss bildet und der keinen Sinn macht.“

Inspiration

Mich inspiriert ja alles mögliche. „Stadt-Land-Roboter“ -spielen zum Beispiel. Oder Zeit mit meinen Nichten und meinem Neffen zu verbringen. Verreisen. Auf dem Boden liegen und entspannen.  Ein Buch lesen. Zeichnen. Sachen aus Zeitungen ausschneiden und eine Collage kleben. Eine Ausstellung besuchen. Dafür hatte ich an Ostern auch mal wieder Zeit.


Ein besonders interessante Ausstellung, die ich im letzten Jahr gesehen habe, war „The Happy Show“ von Stefan Sagmeister. Der hat in einem Interview darüber gesprochen, was ihn inspiriert.

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Lernen von den Besten war schon immer schlau.

Richtig viel Inspiration finde ich auch in der Natur, denn dort lassen sich die schönsten Dinge entdecken. Kein Wunder, niemand hat länger iteriert als die Natur.

Iteration

„Iteration (von lat. iterare ,wiederholen‘) beschreibt allgemein einen Prozess mehrfachen Wiederholens gleicher oder ähnlicher Handlungen zur Annäherung an eine Lösung oder ein bestimmtes Ziel.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Iteration

„Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.“ Wer die 10 Gebote von Dieter Rams artig gelesen und sich gemerkt hat, der erkennt hier das 10. Gebot. Daraus entsteht die Aufgabe, sich immer wieder zu überlegen, ob noch etwas vereinfacht und damit verbessert werden kann. „Reduce to the max“ darf als Leitgedanke dabei dienen.

In Schweden Tradition: Fika. Hier wurde nach diesem Prinzip der Schultag iteriert.

Hier noch ein paar inspirierende Veranstaltungen in Nürnberg der nächsten Zeit:

Mehr Inspiration, insbesondere für alle, die gerade zufällig nach Stockholm reisen:

2 Kommentare zu „Design oder Nichtdesign? 

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