Mit Vorsatz

Frohes neues Jahr! Noch 359 Tage, um die guten Vorsätze zu realisieren. Los geht’s!?
Welche Rolle spielt eine wohlüberlegte Formulierung der eigenen Ziele für deren Erreichung und welche Ziele sind am Ende überhaupt relevant?

Kurz vor Silvester steht bei den meisten Menschen nicht nur die Frage im Raum, wo und mit wem man denn das neue Jahr begrüßen will. Viele beschäftigt auch, was sie in den nächsten 365 Tagen in ihrem Leben verändern könnten. Das Ergebnis ist in der Regel eine Liste. Voll mit den Sachen, die man nicht mag oder sich bislang nicht so richtig vorstellen konnte und die man darum auch in der Vergangenheit nicht gemacht hat.

Allerbeste Voraussetzungen um diese großen Vorhaben umzusetzen, sind das nicht. Beweist die Praxis. Die Theorie zum Thema „Ziele setzen“ erklärt auch, woran das liegt.

Im Idealfall fordert ein Ziel einerseits heraus und motiviert anderseits dazu, sich aktiv um seine Erreichung zu bemühen. Gleichzeitig formuliert man mit einem Ziel immer einen Maßstab, mit dem man sich vergleichen und somit überprüfen kann. Damit das alles untergebracht werden kann, hat sich SMART bewährt.

Ja, ich weiß, das haben viele schon mal gehört. Trotzdem wiederhole ich das hier gerne – nicht nur, weil das gerade so schon zum Beginn des neuen Jahres passt. Oder bereits Bekanntes von Zeit zu Zeit wieder aufzufrischen dazu beitragen kann, es zu sichern und zu festigen. In der Praxis findet man SMARTe Ziele nämlich leider immer noch zu selten. Einen neuen Aspekt bringt vielleicht die folgende Variation SMAART.

SMAARTE Ziele setzen


SMA
RT ist ein Akronym für Spezifisch, Messbar, Ausführbar, Relevant und Terminiert (wobei es verschiedene Interpretationen gibt, die aber letztlich das Gleiche beinhalten). Ergänzt wird es hier um Ambitioniert. Was heißt das jetzt im Detail?

Spezifisch meint, dass als Zielzustand eine konkret beobachtbare Handlung oder ein bestimmtes Verhalten beschrieben wird. Je präziser, um so besser. Lässt sich das Ganze als Bild oder mit Zahlen oder Fakten beschreiben, liegt das Ziel schon mal klar vor Augen. Und das ist die Basis für Motivation – erst wenn man das Ziel erkennen kann, macht man sich für gewöhnlich auf den Weg.

Messbar wird das Ziel, wenn der Erfolg mit einer definierten Methode eindeutig überprüft werden kann. Ganz besonders gut sollte man sich das Vorgehen überlegen, wenn man eher Ungreifbares, wie z.B. Zufriedenheit, messen will.

Ausführbar steht für die Erreichbarkeit und damit die Frage, in wie fern der Weg zum Ziel bekannt ist. Liegt das Ziel außerhalb der Erreichbarkeit oder dem persönlichen Einflussbereich, hat es keine Motivationskraft mehr. Es sorgt dann eher für Frustration oder inneren Widerstand. Ganz besonders häufig lässt sich das beobachten, wenn der Zeitplan zu eng ist.

Ambitionierte Ziele dagegen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass man den Weg zum Ziel nicht kennt. Sie verlangen nach der Fähigkeit, sich auf unbekanntes Terrain  einzulassen und sich daran anzupassen oder es zu gestalten. Out-of-the-Box-Denken und Kreativität sind dafür wichtige Kompetenzen. In ambitionierten Zielen liegt eine besonders große Chance für (persönliches) Wachstum und Entwicklung, denn sie führen immer aus der Komfort- und in die Lernzone und fordern uns auf, uns zu „strecken“. Oft lassen sie sich nur durch einen Paradigmenwechsel erreichen. Dementsprechend gehen mit ihnen oft große Veränderungsprozesse mit all ihren Begleiterscheinungen Hand in Hand. Diese Begleiterscheinungen sind zusätzliche Herausforderungen und beeinflussen die Zielerreichung mitunter deutlich mehr, als man das zu Beginn erwartet.

Relevant ist ein Ziel dann, wenn es einen persönlichen Nutzen bringt und sinnvoll erscheint. Ein Ziel, dass mir selber nicht wirklich wichtig ist, werde ich auch nicht ernsthaft verfolgen oder tatsächlich als Ziel akzeptieren.

Terminiert muss ein Ziel sein, damit man es nicht ewig vor sich herschiebt oder es ganz aus den Augen verliert. Gerade bei ambitionierten Zielen sollte man sich aber bewusst sein, dass ein gewisses Maß an Flexibilität notwendig ist, um sich nicht vollkommen zu frustrieren. Kleinere Rückschläge und eine leicht verschobene Zeitleiste sind vielleicht auf das große Ganze betrachtet gar nicht so schlimm und man sollte sich davon nicht demotivieren lassen. Hier lässt sich auch wieder schön üben, sich selbst zu führen – neben Flexibilität braucht es Disziplin und Hartnäckigkeit.

Was bringt das?

“A dream written down with a date becomes a goal. A goal broken down into steps becomes a plan. A plan backed by action makes your dreams come true.”

Greg S. Reid

SMARTe Ziele sind nicht nur einmal im Jahr bei den guten Vorsätzen hilfreich, sondern ganz grundsätzlich eine Unterstützung bei der Formulierung eigener Ziele oder Vorhaben,  etwa als Vorbereitung auf ein Mitarbeitergespräch. Zum Beispiel habe ich im Rahmen eines Traineeprogramms für jeden Ausbildungsabschnitt 3-4 Ziele aufgesetzt und dann auch in regelmäßigen Abständen mit meinem Vorgesetzten besprochen. Das Vorgehen habe ich beibehalten und in den letzten Jahren immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, die eigene Entwicklung mit persönlichen Zielen aktiv (mit-) zu gestalten. Schon alleine, weil man sich unabhängiger von fremden Interessen mit den eigenen Stärken, Schwächen und Vorstellungen auseinandersetzt.

Auch Ziele, die uns von anderen vorgegeben werden, lassen sich damit überprüfen. SMARTe Ziele können im Projektmanagement oder als Führungsinstrument eingesetzt werden („Management by Objektives“) und entsprechend wird das auch in den meisten Entwicklungsprogrammen für Führungskräfte oder Projektmanager trainiert. Allerdings zeigt die Praxis, dass oft nur Bruchteile von SMART beim Mitarbeiter ankommen. Die fehlenden Infos zu erfragen, sorgt für ein besseres gemeinsames Verständnis und insgesamt mehr Klarheit. Missverständnisse, Enttäuschungen und unnötiger Mehraufwand lassen sich reduzieren. Langfristig trägt das gemeinsame Einüben einer „ordentlichen“ Zielsetzung zu einer noch besseren Zusammenarbeit bei.

Kluge Einsichten statt guter Vorsätze

Ab morgen direkt nach dem Aufstehen jeden Tag eine Stunde Sport für den Rest meines Lebens… Vielleicht hat sich ja der ein oder andere vorgenommen, sich selbst nicht mehr so unter Druck zu setzen und darum ganz bewusst auf Vorsätze und Ziele wie dieses für 2017 verzichtet. Und überlegt sich statt dessen, was wirklich ihm wichtig ist.

Vor Kurzem habe ich einen spannendenden Artikel über die Australierin Bronnie Ware gelesen. Die hat 8 Jahre lang als Palliativpflegerin im Südosten Englands gearbeitet und in den letzten Gesprächen mit den Patienten immer wieder die gleichen Gedanken gehört.
In einem Buch hat sie die fünf wichtigsten zusammengefasst:

  1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“
  2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“
  3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“
  4. „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“
  5. „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“

Sie selbst hat durch diese Erfahrung und Gedanken ihr eigenes Leben ganz schön verändert und orientiert sich jetzt an dem, was sie wirklich will. Ein inspirierender Grundgedanke, wie ich finde.

Und was hat das hier alles mit Digitalisierung zu tun?  Wir leben in einer Welt, die uns immer neue Möglichkeiten bietet und in der wir ständig neue Chancen ergreifen können.  Die sich rasant verändert. Uns ständig auffordert, uns zu strecken. In der viel nicht mehr gilt, was uns lange als Orientierung gedient hat. Wo alles wie gewohnt höher, schneller und weiter gehen soll und das aber bitte sofort. Gar nicht so leicht, sich in diesem Chaos aus Optionen und Anforderungen nicht selbst aus den Augen zu verlieren. Ein bisschen Rückzug und Besinnung auf die eigenen Bedürfnisse muss da auch mal drin sein – wenn nicht jetzt, wann dann?

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„Life is a choice. It is YOUR life. Choose consciously, choose wisely, choose honestly. Choose happiness.” Bronnie Ware

Prosit Neujahr und für 2017 nur das Beste! Mal sehen, was das Jahr so bringt…

Wer jetzt noch nicht genug hat, findet hier noch ein bisschen mehr:

Von Bronnie Ware gibt es einen kurzen Vortrag über einen Ansatz, ein Leben ohne Bedauern zu führen:

 

Und: Danke an die neue Freundin auf den ersten Blick für das coole neue Notizbuch!

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