Virtual Insanity

Zu Hause ist es doch am schönsten? Das haben sich die Erfinder von VR vermutlich nicht gedacht.

Letzten Samstag habe ich u.a. im Weltraum gegen Aliens gekämpft, war alleine in einem Kino und habe mir danach die Welt von einem Wetterballon aus angeschaut. Am allerbesten waren ein paar Minuten als 3D-Maler, in denen ich alles um mich herum in die schönsten Farben getaucht habe. Keine Sorge, hier kommt jetzt nicht ein Erfahrungsbericht über Experimente mit Drogen. Hier geht´s um Virtual Reality (VR).

Und weil ich damit bislang absolut nix zu tun hatte und auch erst nicht so richtig weiß, worum es geht, bin ich mehr als dankbar für die Experten von iqgemini, Alissia & Kimo. Neben einem ganzen Haufen Technik haben die beiden auch einen Schatz an Infos, das wird schon während der Vorstellungsrunde deutlich.

In der Runde bin ich nicht alleine mit meiner Virtual Reality-Ahnungslosigkeit. Manche haben aber auch schon ganz spannende Erfahrung gemacht und bringen auch gleich erste kritische Fragen ein. Uns allen wird dabei schnell deutlich, dass Fragen zu Ethik und Moral zukünftig mit ganz anderen Dimensionen neu betrachtet werden müssen. Meine größte Sorge für den Moment ist, dass mir beim Selbstversuch schlecht werden könnte.

Was die Evolution mit VR zu tun hat

Bevor es allerdings ans Ausprobieren geht, gibt´s erst mal eine Einführung zu VR.
Und da fangen wir ganz vorne ab. Nämlich beim Menschen der sich morgens aus seiner Höhle heraus wagt und nochmal überlegt, wo in seiner Umgebung Beeren wachsen und wo Bären wohnen. Über dieses Wissen verfügt der Jäger und Sammler, weil er sich die Welt um seine Höhle herum mühsam erobert hat. Dadurch hat er Erfahrungen und Infos gesammelt (Bär gefährlich, Beere lecker), die er jetzt hoffentlich abrufen kann. Genau für diese Sorte Lernen sind wir quasi gemacht worden und so funktioniert es auch am besten für uns.

Mittlerweile erleben und erfahren die meisten von uns ihre Umwelt aber hauptsächlich durch das Mobiltelefon. Dabei stehen wir eher verkrampft da, Bewegung und Erfahrung in der Bewegung fehlen völlig. Gleichzeitig schirmt uns dieses Verhalten ab und isoliert uns quasi. Emotion wird durch Emojis ersetzt. Wir „blockieren“ uns also körperlich und emotional – und damit auch geistig.

Das Gehirn denkt jetzt mal über sich selbst nach

Durch Emotionen entsteht eine andere Form von Aktivität im Gehirn. Bestimmte Formen von Stress stärken beispielsweise bereits existierende Verbindungen. Neue Synapsen werden gebildet – was als zentraler Mechanismus der Gedächtnisbildung gilt. Über den Einfluss von positiven Erlebnissen auf unser Gehirn muss ich hier sicherlich nicht viel sagen. Nicht umsonst bleiben uns schöne Erlebnisse besonders fest im Gedächtnis haften.

Ansonsten ist für unser Hirn die Konstruktion einer Realität gar nichts Neues. Damit ist es sowieso ständig beschäftigt. Dabei kommen ganz unterschiedliche Filter zum Einsatz, die sich im Laufe unseres Lebens u.a. auf Basis unserer Erfahrungen bilden. Je nach Filter richtet sich die Aufmerksamkeit dann auf bestimmte Teile der zur Verfügung stehenden Informationen – zum Glück, denn sonst würden wir vor lauter Reizüberflutung vermutlich durchdrehen. Ein schönes Beispiel dazu ist dieses Experiment:

Das Hirn lässt sich also leicht täuschen. Außerdem macht es reichlich viele Fehler. Diese sogenannten Wahrnehmungsfehler spielen u.a. eine große Rolle im Zusammenhang mit dem Thema „Feedback“. Merke: Man kann immer nur Rückmeldung zu der persönlichen Sicht der Dinge  und dem eigenen Empfinden geben. Ein objektives Urteil über eine Situation ist einem Menschen alleine nie möglich und die Objektivität an sich bleibt ein Ideal.

Ansonsten braucht unser Hirn in gewisser Weise einen Ausgleich zu seinen sonstigen Aktivitäten und entspannt darum z.B.beim Träumen. Abtauchen in konstruierte Welten, beispielsweise beim konzentrierten Lesen, und die Auseinandersetzung damit ermöglicht zudem einen Abgleich zwischen den beiden Realitäten. Ein gewisses Maß an Flucht aus der eigenen Realität ist also sinnvoll und wichtig.

Die Dosis macht das Gift

Schon jetzt gibt es ja genug Möglichkeiten, sich nicht mit dem eigenen öden Leben auseinander setzen zu müssen. Der /die ein oder andere übertreibt es dabei sicherlich. Auch VR könnte in Zukunft für manche Menschen zur Sucht werden. Gleichzeitig bietet diese Technologie ganz besondere Möglichkeiten, denn der Mensch kann damit machen, was er am liebsten tut: sich mit sich selbst beschäftigen.

VR bietet Erfahrungen für Körper und Hirn  in (virtueller) Umgebung. Und obwohl wir wissen, dass wir uns dabei in einer Simulation befinden, regiert unser Körper, als wäre das alles real – gesteuert von unserem Hirn. Ein neuer Zugang zu unserem Unterbewusstsein ermöglicht sich dadurch, darum wird VR auch z.B. in der Verhaltenstherapie eingesetzt.

Virtual Reality für virtuelle Teams – aber nicht nur

VR wird sicherlich in Zukunft auch bei der Kommunikation eine große Rolle spielen und könnte etwa die Zusammenarbeit von Teams, die über große Entfernungen verteilt sind, unterstützen. In diesen Bereichen und Branchen findet VR außerdem Anwendung:

  • Gaming
  • Automotive
  • Travel
  • Entertainment
  • Medizin / Rehabilitation
  • und vereinzelt auch schon in der Weiterbildung

Hier kann VR dazu beitragen, dass man sich noch besser in andere Menschen oder Situationen hineinführen kann. Gerade für HR Development wäre es damit auch ein interessantes Tool, um in Trainings damit Empathie zu fördern. Diesen Gedanken greifen wir dann übrigens auch bei der nachfolgenden Übung auf und erfinden den BodySwapper, mit dem man sich in das andere Geschlecht hineinversetzen und mal die Perspektive wechseln kann.

Ein schon existierendes Beispiel ist der Einsatz im Journalismus, wo man sich beispielsweise mit VR selbst ein Bild von der Situation in Syrien machen kann – inklusive Explosion direkt vor den eigenen Füßen.

Weil solche Experimente aber auch nicht ohne sind, wird es in der Zukunft ganz neue Betätigungsfelder für Psychologen etc. geben. Auf manche Zielgruppen muss man zudem ohnehin ganz besonders sensibel eingehen. Kinder können z.B.erst etwa ab dem Schulalter zwischen Realität und Fantasie im Fernsehen unterscheiden.

Version 2
Mir fällt das auch schwer:)

Ich persönlich kann mir gut vorstellen, dass wir damit in Zukunft leben oder arbeiten werden. Wobei ich mich mit Augmented Reality irgendwie mehr anfreunden kann. Ich mag das nicht so gerne, wenn ich meine Umwelt gar nicht mehr sehe und hätte beim Hausgebrauch Sorge, dass irgendwas in die Brüche geht.
Gleichzeitig finde ich das Leben so spannend, so reich und bunt, in seiner Langweile manchmal gerade beruhigend, dass ich vermutlich auch weiterhin so viel Zeit wie möglich in „meiner“ Realität verbringen will.

Ausflüge in andere Welten mit Alissia & Kimo kann ich allerdings jedem nur empfehlen!

Wer jetzt noch mehr über das Gehirn, Wahrnehmungsfehler und VR wissen will, wird u.a. hier fündig:

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