Nicht für die Schule,…

…sondern für das Leben lernen wir. Wie und wo aber geht das am besten? 

Vor ein paar Tagen erlebt: Auf einer Straße, auf der 80 km/h erlaubt sind, fahre ich etwa 80km/h (ähem). Das Auto vor mir fährt viel langsamer und ich schließe auf. Ich lese das Wort „Fahrschule“ auf dem Kofferraumdeckel vor mir.  Die Strecke hat viele Kurven, man kann nicht überholen. Ich schaue auf meinen Tacho. 50 km/h, gerade so.

Nachdem das hier ja nicht mein erster Beitrag ist, lieber Leser, und wir uns jetzt schon ein bisschen kennen, hier ein kleines Quiz: Was habe ich in dieser Situation wohl gedacht?

  1. Na super! Ich dachte, wer es bis auf die Landstraße schafft, kennt das Gaspedal!?!
  2. Juhu, endlich Zeit für Entschleunigung. Das habe ich mir schon so lange gewünscht.
  3. Aller Anfang ist schwer. Wenn ich da an meine ersten Fahrstunden denke…
    Und heute: Freude am Fahren. Mein Fahrstil begeistert alle restlos (ähem).

Na, welche Antwort stimmt?

Genau! Und während ich da so vor mich hin rolle, denke ich daran, dass mich zu Hause wieder mein Online-Kurs „JavaScript“ erwartet. Schon lange ist mir nichts mehr so schwer gefallen. Zuerst lerne ich, dass sich JavaScript – wie jede Programmiersprache – aus Anweisungen nach einem vorgegebenen Muster, der sogenannten Syntax, zusammensetzt.

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So sieht das dann aus – wenn es noch einfach ist:)

Bei der gesprochen Sprache sendet einer mehr oder weniger überlegt und einer empfängt dann mehr oder weniger viel – je nach „Ohr„. Es entsteht mehr oder weniger viel Klarheit und entsprechend zufriedenstellende Resultate. Das sind wir gewöhnt und kommen damit mehr oder weniger zurecht. Im Gegensatz dazu verlangen Programmiersprachen absolute Präzision.

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Das hilft beim Programmieren nix.

Wenn ich als Sender dem Empfänger eine Syntax schicke, in der  irgendwo ein „;“ fehlt, ernte ich lediglich ein „SyntaxError“. Ansonsten passiert gar nichts. Ruhig und gelassen suche ich dann den Fehler (ähem).

Würde die zwischenmenschliche Kommunikation so ablaufen, müsste sich jeder Sender mehr anstrengen. Es gäbe mehr Klarheit. Es wäre weniger Spaß. Apropos Spaß:
Der Online-Kurs erinnert mich an Mathe früher in der Schule. Oje. Ziemlich schnell merke ich, dass ich meine Lernmethode ändern muss. Sonst wird nichts aus mir und JavaScript.

Richtig lernen ist eine Wissenschaft für sich – mit ordentlich Forschung und reichlich Studien, auf die man sich bei Vorträgen zu dem Thema beziehen kann. Meiner Meinung nach fängt erfolgreiches Lernen damit an, dass man sich Gedanken darüber macht, mit welchen Lernmethoden man bislang Erfolg hatte. In der Reflexion kann man überprüfen, ob „Buch unterm Kopfkissen“ echt was bringt. Da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte: no pain, no gain.

Ich persönlich habe erst ziemlich spät herausgefunden, wie ich am besten lernen kann. Nämlich während meiner Studienzeit. Für mich funktioniert Lernen ideal, wenn unterschiedliche Kanäle angesprochen werden. Grundsätzlich mag ich Impulse oder Vorträge, wenn sie gut gemacht sind – also möglichst kurzweilig. Und gerne auf „Sendung mit der Maus“-Niveau. Wer in ein paar Minuten einem Kind erklären kann, wie ein Atomkraftwerk funktioniert, ist für mich ein echter Profi. Für den sollte auch ein Elevator Pitch machbar sein.

Weil ich nicht lange still zuhören kann, schreibe ich gerne mit, sonst schweife ich gedanklich ab. Ich mache auch gerne kleine Skizzen – ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und so. Inspiriert vom Impuls lese ich dann vielleicht selbst noch weiterführende Artikel, Bücher, usw. Daran finde ich gut, dass ich das in meinem eigenen Tempo tun kann. Also superschnell (ähem).

Außerdem ist mir der Austausch mit Anderen sehr, sehr wichtig. Ich finde alleine lernen extrem fad und bin darum bis heute dankbar über die legendäre Lerngruppe in der Krelingsraße, eine perfekte Kombination aus Spaß und Ernsthaftigkeit.

Es gab in dieser Lern-und Leidensgemeinschaft nicht nur kooperativ erstellte „Superskripte“ (eine mit Beispielen angreicherte Zusammenfassung der Vorlesung), sondern auch Lernkarten. Aus Papier. Ich weiß, die gibt’s mittlerweile auch digital. Aber: was ich mal mit der Hand geschrieben habe, kann ich mir noch besser merken. Damit bin ich nicht alleine (dazu gibt es übrigens auch Studien). Und dann wurde mit gegenseitigem Abfragen der Wissensstand durchgeprüft. Irgendwann wächst der „Kann ich schon“-Stapel, damit bleibt die Motivation hoch. Das Selbstvertrauen wächst. Die Prüfung kann kommen – wobei ich auf Prüfungen auch gerne verzichte;)

Nicht in der Schule, sondern im Leben lernen wir. Der Spruch macht für mich mehr Sinn. Bei 70-20-10- geht es genau um dieses Thema. Und weil man diese drei Zahlen gerade überall hört, hier mal eine kurze Erklärung:

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Ganz knapp zusammengefasst geht’s um das Ergebnis einer Studie (wer hätte gedacht), die untersuchte, wo Wissen erworben wird. Nämlich

  • ca. 10% durch strukturiertes Lernen („Education“),
  • ca. 20% durch informelles Lernen („Exposure“) und
  • ca. 70% druch On-the-job-Lernen („Experience „)

Hier mal ein paar Beispiele:

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Die wichtigste Erkenntnis ist, dass der Lernerfolg gesteigert wird, wenn alle Lernorte kombiniert werden. Das heißt beispielsweise, dass ich in einem Online-Training JavaScript lerne. Mit meinen Lernpartnern, meinen Mitschülerin, tausche ich mich regelmäßig dazu aus und bekomme Feedback. Wir motivieren uns gegenseitig und helfen uns natürlich bei Bedarf. In einem herausfordernden Projekt probieren wir unsere Kenntnisse dann aus und bauen einen Roboter.

In der Theorie macht das Sinn. Aber in der Praxis?

Für alle, die sich jetzt noch fragen, warum eine Personalentwicklerin JavaScript lernt: weil ich das brauche. Denn in der SHIFTSCHOOL werden tatsächlich bald oben genannte Roboter gebaut. Um die zu steuern braucht es Codes, die wir mit JavaScript schreiben. Stay tuned.

Bis es ein Update dazu gibt, hier schon mal zum einstimmen:

Habe ich in meinen JavaScript-Lernpausen gerne gehört. Dass meine Lernmethode funktioniert hat, beweist übrigens das hier:

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#Juhu

Ein Kommentar zu „Nicht für die Schule,…

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